Wie hören Menschen mit Keratokonus?


Menschen ohne Einschränkungen in der Sehfähigkeit können oft nicht verstehen, warum der oder die Betroffene überhaupt Schwierigkeiten hat.

Im Grunde ist das Verständnis für jedwede Einschränkung eher ein allgemeines Problem. Denn wie soll man verstehen, wie man sich zum Beispiel mit einer Herz-, Lungen- oder Nierenkrankheit fühlt, wenn man nicht selbst betroffen ist. Eine Verstauchung oder zum Beispiel ein gebrochener Arm ist da schon leichter nachzuempfinden.

Das Gehör muss bei Betroffenen mehr und speziellere Aufgaben übernehmen als bei Normalsichtigen.


Menschen mit schlechter Sicht hören anders

Wenn jemand schlecht sieht, versucht der Körper automatisch dies durch andere Sinne zu ersetzen. An erster Stelle steht dabei das Gehör, dass normalerweise nur zu 10-15% an der Umgebungswahrnehmung beteiligt ist. Die Augen sind zu ca. 70-80 Prozent beteiligt, der Rest teilt sich auf in Geruch, Tastsinn und Geschmack.

Bei Menschen mit beeinträchtigter Sehkraft nimmt das Gehör einen viel größeren Anteil an der Umgebungswahrnehmung ein, je nach Einschränkung der Sehkraft.

Viele Betroffene werden schon festgestellt haben, dass Gespräche in größeren Gruppen mit vielen Nebengeräuschen sehr anstrengend oder auch gar nicht mehr möglich sind. Entweder sitzt man mehr oder weniger unbeteiligt vor seinem Getränk, unfähig den vielen Gesprächsfetzen zu folgen oder man hat das Glück sich mit einem direkten Nachbarn unterhalten zu können, dabei ist es einfacher, den Rest der Geräuschkulisse "auszublenden". Teilweise ist es auch bereits in der Familie, mit nur wenigen Personen schwierig z.B. einer Radio- oder Fernsehsendung zu folgen, wenn in der Küche der Mixer läuft, die Kinder sich unterhalten, irgendwo ein Film von einem Tablet läuft. Da ist an konzentrierte Arbeit z.B. im Homeoffice nicht mehr zu denken.

In einer lauten, dunklen Umgebung, in einer große Gruppe kann man mit einer Seheinschränkung den(m) Gespräch(en) nur zeitverzögert folgen und die Mimik und Gestik der Gesprächspartner nur mit Versprätung und unter Einsatz einer höheren Rechenleistung auswerten. D.h. man kann reagiert zeitverzögert und ist immer irgendwie hinten dran; und es ist sehr anstrengend - das macht man nicht oft mit.

Dann würde man am liebsten in einen schönen, ruhigen, dunklen Keller gehen und sich dort ersteinmal ausruhen und sortieren.


Was kann man tun?

Eine Möglichkeit ist, die Störfaktoren zu meiden: Sich nicht mit größeren Gruppen, in dunklen, verrauchten Kneipen treffen (.....ach, das war ja noch in einer anderen Zeit....); aber das mit den größeren Gruppen kann man schon vermeiden; oder zumindest die Größe der Gruppe auf 3-4 Personen zu begrenzen.

Eine andere Möglichkeit ist es sich in einer ruhigen Umgebung zu treffen, in der keine Geräuschkulisse ausgeblendet werden muss. Man kann die Freunde in kleinen Gruppen zu sich nach Haus einladen; eine gewohnte Umgebung ist noch besser für den Informationsaustausch als nur weniger Nebengeräusche.

In der privaten Umgebung kann es bei vielen Nebengeräuschen hilfreich sein, z.B. Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung zu nutzen; z.B. wenn man im VideoChat ist, oder Radio hört. Es ist unglaublich entlastend, wenn die ganzen Nebengeräusche gar nicht erst vom Gehirn ausgeblendet werden müssen, sondern schon vom Kopfhörer gelöscht werden. Es gibt soll sogar schon InOhr-Hörgeräte geben, die eine selektive Geräuschunterstützung/-unterdrückung in Abhängigkeit von der Blickrichtung ermöglichen oder bei denen der Radius der Geräuschunterdrückung einstellbar sein soll.

Sehr entspannend kann auch ein Wechsel der umgebenden Geräuschkulisse sein. So sind die Nebengeräusche bei einem Waldspaziergang allein oder mit wenige Freunden in den meisten Fällen überhaupt nicht anstrengend, sondern im Gegenteil eher beruhigend.